Die Warnpflicht ist weg. Ab heute ist Warnen dein Verkaufsargument.
Seit dem 29. Juli ist die Beratung vor dem Einbau einer Öl- oder Gasheizung gestrichen. Seit heute braucht jeder neue fossile Kessel ab 2029 einen biogenen Anteil — und drei der vier Wege dorthin baust du selbst.
Moment — zwei Daten, ein Tag Abstand. Am 29. Juli fiel die gesetzliche Pflicht, vor dem Einbau einer Öl- oder Gasheizung zu warnen. Am 30. Juli, also heute, greift zum ersten Mal genau die Pflicht, vor der gewarnt werden sollte. — Nora, Product Owner Energieberatung
Zwei Folgen für dich: Dein Kunde erfährt davon nur noch, wenn du es ihm sagst. Und drei der vier Wege, sie zu erfüllen, sind Anlagentechnik — die baust du. Erst die Lage, dann dein Geld, dann dein Plan für diese Woche. Den Einzelfall rechnet ein zertifizierter Energieberater; ich ordne ein.
- Die Paragrafen 71 bis 73 des Gebäudeenergiegesetzes sind gestrichen — mit ihnen die Pflicht, vor dem Einbau einer Verbrennungsheizung zu beraten. Gaskessel darfst du weiter einbauen, unbefristet.
- Neu ist Paragraf 43: Jeder fossile Kessel, der ab heute in ein bestehendes Gebäude kommt, braucht ab 2029 zehn Prozent biogenen Anteil — ab 2030 fünfzehn, ab 2035 dreißig, ab 2040 sechzig. Die Pflicht trifft deinen Kunden, entsteht aber durch deinen Einbau.
- Vier Wege raus: biogener Brennstoff, Solarthermie, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Wärmepumpen-Hybrid. Drei davon baust du — beim Kesseltausch billiger als 2028 als Nachrüstung.
- Vermietet dein Kunde, kommen zwei Leistungen dazu, die nur ein Fachunternehmer erbringt: der Hinweis in Textform und der Nachweis der Jahresarbeitszahl. Ohne ihn darf er nur die halbe Miete umlegen.
§ 43 Abs. 1 gilt für jede Gas-, Heizöl- oder Flüssiggasheizung, die „nach dem 29. Juli 2026" in ein bestehendes Gebäude neu eingebaut wird. Heute ist der erste Tag. Ein Kessel, der bis einschließlich gestern eingebaut wurde, trägt die Quotenpflicht nicht.
Was passiert ist — zwei Stellen, ein Tag Abstand
Zwei Stellen in einem Gesetz, einen Tag auseinander. Das ist die ganze Geschichte.
Die erste steht in Artikel 1 und hat acht Wörter: „Die §§ 71 bis 73 werden gestrichen." Weg ist damit die Pflicht zu 65 Prozent erneuerbarer Wärme — das machte die Schlagzeilen. Still mitverschwunden ist Absatz 11: die Beratung, die vor jedem Einbau einer Öl- oder Gasheizung auf die Unwirtschaftlichkeit hinweisen musste .1 Bis Mittwoch musste ein Schornsteinfeger, Handwerksmeister oder Energieberater diesen Hinweis geben. Seit Mittwoch niemand.
Die zweite ist der neue § 43. Er gilt für jede Gas-, Heizöl- oder Flüssiggasheizung, die „nach dem 29. Juli 2026" neu in ein bestehendes Gebäude kommt .2 Heute ist der erste Tag. Ein Kessel von gestern trägt die Quote nicht.
die erste Stufe — zweieinhalb Jahre hin
noch innerhalb der Lebensdauer des Kessels
Wer nicht beraten hat, riskierte kein Bußgeld — der alte Bußgeldkatalog nannte den Absatz 11 gar nicht .3 Nicht die Strafe ändert sich, sondern die Richtung: Der Hinweis wird freiwillig, das Gewarnte wird sanktioniert. Aus einem Häkchen, das alle setzen mussten, wird ein Unterscheidungsmerkmal, das kaum noch einer setzt.
Wo für dich Geld drin steckt: vier Wege, drei baust du
Eine Quote ist kein Verbot. Das Gesetz nennt selbst vier Wege heraus — nur einer davon ist ein Brennstoff vom Händler. Die anderen drei sind Anlagentechnik von einem Fachbetrieb.
Biogener Brennstoff — daran verdienst du nichts
Den Nachweis führt der Lieferant mit der Abrechnung .4 Der bequemste Weg für deinen Kunden, der einzige ohne Auftrag für dich.
Solarthermie — dein naheliegendster Zusatzauftrag
Von 2029 bis Ende 2034 reichen 0,04 Quadratmeter Aperturfläche je Quadratmeter Nutzfläche, bei mehr als zwei Wohnungen 0,03 .5
Dein Verkaufsargument: Kollektoren beim Kesseltausch sind billiger als Kollektoren in drei Jahren aufs fertige Dach — ein Gerüst, ein Termin, eine Anfahrt.
Lüftung mit Wärmerückgewinnung — alle drei Bedingungen zusammen
Wärmerückgewinnungsgrad mindestens 73 Prozent, Leistungszahl mindestens 10, und die Anlage versorgt die gesamte Fläche .6 Fehlt eine Bedingung, trägt der Weg nicht.
Dein Verkaufsargument: Wer ohnehin dämmt, braucht das Lüftungskonzept sowieso — sonst kommt der Schimmel. Hier zahlt es zweimal.
Wärmepumpen-Hybrid — der größte Auftrag der vier
Erfüllt, wenn die Wärmepumpe am Teillastpunkt A nach DIN EN 14825 mindestens 30 Prozent der Leistung des Spitzenlasterzeugers erreicht — bei bivalent alternativem Betrieb mindestens 40 Prozent .6
Dein Verkaufsargument: Er erledigt die Quote für die gesamte Lebensdauer des Kessels — einmal, nicht in Stufen.
Bei Solarthermie und Hybrid muss der Eigentümer nachweisen, welcher Anteil ihm angerechnet wird — das Gesetz nennt die Unternehmererklärung ausdrücklich als Weg dafür. Die stellst du aus. Das ist eine Leistung, keine Gefälligkeit.
- Nachweis für den Anrechnungsanteil — durch eine fachkundige Person oder deine Unternehmererklärung.
- Dokumentation für 15 Jahre — Abrechnungen und Bestätigungen muss dein Kunde vorhalten. Ein Ordner, den du anlegst, ist ein Grund, wiederzukommen.
Und für den Havariefall: Fällt der Kessel 2028 irreparabel aus, greift die Quote erst zwölf Monate nach dem Einbau .7 Ein Puffer, kein Freifahrtschein.
Bis zum 1. Dezember 2026 soll die Bundesregierung eine Grüngas- und Grünheizölquote vorlegen, die die Lieferanten zur Umstellung bis 2045 verpflichtet .8 Kommt sie, erfüllt sich die Quote für viele über die Lieferkette — dein Solarthermie-Argument wird dann schwächer. Sie liegt nicht vor: kein Angebot darauf bauen, aber im Auge behalten.
Dein Aktionsplan — vier Schritte, diese Woche
Ich weiß, du wolltest nur wissen, ob du weiter Gaskessel einbauen darfst. Antwort: ja, unbefristet. Der Rest ist der Teil, an dem du verdienst.
Heute: eine Zeile in deine Angebotsvorlage
Die vier Quotenstufen mit Datum — nicht als Warnung, als Termin. Darunter die Frage, die den Fahrplan öffnet: „Jetzt mitplanen oder 2028 nachrüsten?"
Diese Woche: dein Team auf ein einziges Datum briefen
Wer Angebote schreibt, braucht eine Zahl im Kopf: nach dem 29. Juli 2026. Und leg fest, wer die Unternehmererklärung ausstellt und was sie kostet.
Diese Woche: die eigene Anlagenliste ziehen
Alle fossilen Einbauten ab heute herausfiltern, Wiedervorlage auf 2028. Keine Kaltakquise — Anlagen, die du selbst gesetzt hast, bei Kunden, die dich kennen.
Ab dem nächsten Vermieter-Gespräch: zwei Fragen zuerst
Versorgt sich der Mieter selbst mit Wärme? Dann braucht dein Kunde den Hinweis in Textform. Und: Steht die Hülle? Davon hängt die Miete ab — siehe nächster Abschnitt.
„Hinweis zur Rechtslage: Für diese Heizungsanlage gilt § 43 des Gebäudemodernisierungsgesetzes, weil sie nach dem 29. Juli 2026 eingebaut wird. Ab dem 1. Januar 2029 müssen zehn Prozent der eingesetzten Energie biogen sein, ab 2030 fünfzehn, ab 2035 dreißig, ab 2040 sechzig Prozent. Erfüllbar über biogenen Brennstoff, Solarthermie, Lüftung mit Wärmerückgewinnung oder einen Wärmepumpen-Hybrid. Gern planen wir einen dieser Wege gleich mit ein."
Fünf Minuten Arbeit, einmal. Und es beantwortet die Frage, die dein Kunde 2029 stellen wird: „Warum hat mir das keiner gesagt?"
Vermieter-Kunden: die ganze oder die halbe Miete
Dasselbe Gesetz ändert das Mietrecht, ebenfalls zum 29. Juli. Der neue § 559f BGB sagt: Die volle Modernisierungsumlage nach dem Einbau einer Wärmepumpe bekommt dein Kunde nur, wenn eine Jahresarbeitszahl von mindestens 2,5 nachgewiesen ist — durch einen Fachunternehmer, in der Regel vor der Inbetriebnahme. Fehlt der Nachweis, darf er nur die Hälfte der Kosten umlegen .9
die volle Umlage — Jahresarbeitszahl mindestens 2,5, bestätigt vom Fachunternehmer
die Hälfte der Kosten bleibt beim Vermieter hängen
Lies das als Auftrag: Den Nachweis kann nur ein Fachunternehmer führen. Das bist du. Und die vier Ausnahmen hängen alle an derselben Sache — Baujahr nach 1996, Wärmeschutzverordnung 1994, sanierter Bestand, Vorlauftemperatur höchstens 55 Grad Celsius. Alle vier beschreiben die Hülle, nicht die Wärmepumpe.
Dazu die neue Hinweispflicht — enger, als sie klingt. Sie greift nur, wenn sich der Mieter selbst mit Wärme versorgt, also bei der Gasetagenheizung mit eigenem Liefervertrag. Dann informiert dein Kunde bei Mietvertragsschluss und beim Heizungseinbau in Textform über § 43 und den Erstattungsanspruch .10 Bei Zentralheizung folgt daraus nichts — nicht vermischen, sonst verkaufst du eine Pflicht, die es nicht gibt.
Meine Empfehlung: erst die Hülle, dann die Technik
Ich würde die Beratung, die seit Mittwoch keine Pflicht mehr ist, ab heute schriftlich machen — und zwar genau deshalb, weil sie keine Pflicht mehr ist.
Ein Blatt mit den vier Quotenstufen und einem Erfüllungsweg unterscheidet dein Angebot vom Angebot des Nachbarbetriebs — und der Erfüllungsweg ist dein Zusatzauftrag. Beides in einem Dokument.
Die Reihenfolge hat der Gesetzgeber selbst in den Bußgeldkatalog geschrieben: Eine falsch ausgeführte Maßnahme an der Hülle des Bestands wiegt dort zehnmal schwerer als ein gerissener biogener Anteil .11 Das ist keine Entwarnung für die Quote — es ist eine Rangfolge, und sie steht auf deiner Seite.
höchste Stufe
mittlere Stufe
niedrigste Stufe
Ja, ich denke schon wieder in Jahrzehnten, Berufskrankheit — aber der Zeitraum steht im Gesetz: Ein Kessel von heute läuft quer durch alle vier Stufen. Was ich nicht empfehle: daraus eine Rechtsauskunft zu machen. Ob die Quote im Einzelfall greift, gehört zu einem in der Energie-Effizienz-Experten-Liste geführten Berater, das Mietrecht zu einem Fachanwalt.
Stand und Geltung
Alle Angaben stammen aus dem Regelungstext im Bundesgesetzblatt, den ich selbst als PDF gezogen und ausgelesen habe — nicht aus der Fachpresse. Wo die alte Fassung des Gebäudeenergiegesetzes zitiert ist, steht es dran. Zwei Dinge behaupte ich bewusst nicht. Solarpflicht und Nullemissionsgebäude stehen in späteren Artikeln und gelten erst ab 2027, 2028 beziehungsweise 2030 — wer sie als „ab sofort" liest, liest falsch. Und was ein biogener Brennstoff 2029 kostet, weiß ich nicht: Es kursieren Zahlen, keine hält einer Primärquelle stand. Eine Verfassungsbeschwerde war angekündigt; ob sie erhoben wurde, habe ich nicht geprüft unverifiziert — an der Geltung ab dem 29. Juli ändert eine Klage nichts.
Die eine Handlung
In jedes Angebot für einen fossilen Kessel: Quotenstufen mit Datum, ein Erfüllungsweg mit Preis. Dein Nachbar lässt beides weg.
Wer seine fossilen Einbauten mit Datum aus der eigenen Anlagenliste zieht und automatisch auf 2028 wiedervorlegt, hat den Markt für Erfüllungswege vor allen anderen — ohne einen kalten Anruf. Im Digitalisierungsgespräch schauen wir uns an, wie diese Liste in deinem Betrieb entsteht und sich von selbst meldet.
Digitalisierungsgespräch vereinbaren →Stand 30.07.2026. Dieses Briefing ist eine allgemeine Markt- und Rechtsinformation, keine Rechts- oder Steuerberatung. Rechtsstand und Marktzahlen ändern sich — prüfe vor jeder Zusage an deinen Kunden die dann geltende Fassung auf gesetze-im-internet.de.
Die Ziffern in eckigen Klammern im Text verweisen auf diese Belege. ↗ öffnet die Primärquelle, ↩ springt zurück in den Text.
- Quelle: BGBl. 2026 I Nr. 226, Artikel 1 Nr. 32, Regelungstext selbst als PDF gezogen und ausgelesen, abgerufen 30.07.2026, in Verbindung mit § 71 Abs. 11 GEG in der bis zum 28.07.2026 geltenden Fassung ↗ Bundesgesetzblatt ↩
- Quelle: § 43 Abs. 1 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226, S. 9 f., selbst gelesen 30.07.2026 ↗ § 43 GModG ↩
- Quelle: § 108 GEG in der bis zum 28.07.2026 geltenden Fassung, gesetze-im-internet.de, abgerufen 30.07.2026 — Negativbefund ↗ § 108 GEG a. F. ↩
- Quelle: § 96 Abs. 4 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226 ↗ § 96 GModG ↩
- Quelle: § 43 Abs. 3 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226 ↗ § 43 GModG ↩
- Quelle: § 43 Abs. 4 und 5 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226 ↗ § 43 GModG ↩
- Quelle: § 43 Abs. 7 sowie § 96 Abs. 5 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226 ↗ §§ 43, 96 GModG ↩
- Quelle: § 42a GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226 ↗ § 42a GModG ↩
- Quelle: Artikel 6 Nr. 3 GModG, neuer § 559f BGB, BGBl. 2026 I Nr. 226, S. 51 f., selbst gelesen 30.07.2026 ↗ § 559f BGB ↩
- Quelle: Artikel 5 Nr. 6 GModG, § 6 Abs. 2 des Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetzes, BGBl. 2026 I Nr. 226, S. 50 f. ↗ § 6 KoKoAufG ↩
- Quelle: § 108 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 und Abs. 2 Nr. 1 und 3 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226, selbst gelesen 30.07.2026 ↗ § 108 GModG ↩
